Fachtag 2017

Alternativschule morgen: Pädagogik jenseits von Reform
(Fachtag des BFAS am 19. Mai 2017 in Kassel)

Ist der freie Zugang ins Internet die Voraussetzung für eine Schule von morgen? Oder zerstört dieser vielmehr schulische Lernprozesse und soziale Beziehungen? Hat Schule als gesellschaftlicher Ort von Bildung überhaupt eine Zukunft? Und wenn ja: welche? Wenn nein: Was kann an ihre Stelle treten? Welche Bedeutung haben globale wirtschaftliche, ökologische und politische Veränderungen für die lokale Gestaltung von schulischer Bildung? Welche zukünftige Gesellschaftsvorstellung bestimmt die Weise wie wir Schulgemeinschaft machen?

Selbstbestimmung, Demokratie und Respekt – das sind die zentralen Ansprüche der Freien Alternativschulen. Kinder anders und anderes lernen zu lassen als in traditionellen Schulen – dafür haben sich die Freien Alternativschulen vor über 40 Jahren auf den Weg gemacht. Vielfach ordneten wir uns mit unseren Schulen in die große Traditionslinie der (Lebens-)Reformbewegungen des 20. Jahrhunderts ein. Mit dem jahrelangen systematischen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen an der Odenwaldschule, der Fahnenträgerin der deutschen Reformpädagogik, ist diese Traditionslinie unheilbar zerstört.
Für manche eher unbemerkt sind zentrale Bausteine und Kernelemente reformpädagogischer Praxis nach und nach in das Fundament des öffentlichen Schulwesens eingebaut worden. Sie sind darüber hinaus Teil der herrschenden Lehrmeinung in der Pädagogik geworden. Das gilt für verschiedenste Formen der Mit- und Selbstbestimmung von SchülerInnen ebenso wie für die Organisation von Lehr- und Lernprozessen oder die Aufnahme von früher systematisch ausgeblendeten Unterrichtsthemen in die staatlichen Curricula. (so z.B. Morgenkreise, Klassenrat, Wochenplanarbeit in der Grundschule, Lernberichte statt Ziffernzeugnissen, Lernen an außerschulischen Lernorten.) All dies zeigt zwar den gesellschaftlichen Erfolg ehemals avantgardistischer Schulmodelle und ihrer Pädagogik.
Dieser Erfolg hat jedoch die Existenz Freier Alternativschulen nicht überflüssig gemacht. Im Gegenteil: Kontinuierliche Neugründungen und stetig steigende Schülerzahlen machen klar, dass Eltern, PädagogInnen und Kinder „ihre“ Schule nach wie vor anders machen wollen.


Auf unserem Fachtag 2017 wollen wir über unser unterschiedliches Schulverständnis in den Freien Alternativschulen und darüber hinaus konstruktiv streiten. Ziel ist es, gemeinsame und konkrete Perspektiven für zukunftsfähige Schulen entwickeln. Dieser Fachtag ist Anstoß für einen zukunftsoffenen produktiven Lernprozess für Schulen jenseits von Reform.

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